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integrative Liste Niedersachsen(iLN)

Unsere Überzeugung

Alle Patientinnen und Patienten profitieren von einem individuellen auf sie abgestimmten integrativ-medizinischen Behandlungsplan. Chronische Erkrankungen – deren Therapien häufig sehr eingreifend und mit erheblicher Minderung der Lebensqualität verbunden sind – erfordern geradezu die Integration von Behandlungen aus konventioneller und komplementärer Medizin. Komplementäre Medizin sollte mit der gesamten Vielfalt der Methoden in den Praxisalltag zum Wohle aller Patienten integriert werden.

Wir fühlen uns verpflichtet, unseren Patientinnen und Patienten ein Recht auf Therapien aus den komplementären Therapierichtungen begleitend zu den Therapien der konventionellen „Schulmedizin” zu ermöglichen. Als Spezialisten für Integrative Medizin fühlen wir uns verpflichtet, die Methoden der komplementären Medizin mit höchstmöglichem Qualitätsstandard zu beherrschen und weiterzuentwickeln und dies nicht Behandlern ohne geregelte Ausbildungs-und Fortbildungsverpflichtung zu überlassen.

Dafür stehen wir

Dialog von konventioneller und komplementärer Medizin
Aktive Kommunikation der Wissenschaftlichkeitvon naturheilkundlichen Verfahren

Nutzung bestehender ärztlicher Plattformen für den wissenschaftlichen Dialog.
Wir unterstützen eine Medizin, die den wissenschaftlichen Dialog zwischen konventioneller mit komplementärer Behandlung fördert und nach außen trägt.

Wir fordern die wissenschaftliche Untersuchung komplementärmedizinischer Ansätze, wenden uns aber gegen einseitige Vorgehensweisen und Interpretationen, die den Boden der Wissenschaft verlassen. So ist z.B. die Meta-Analyse eine wissenschaftliche Methode, die in der Regel mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Die „Evidence Based Medicine“ (EBM) ist eine Medizin, die sich auf empirische Belege stützt. Dazu gehören neben der besten verfügbaren Informationslage aus wissenschaftlicher Literatur, die fachliche Meinung des Behandlers und die Präferenzen der Patienten. Methodische Überlegungen zur EBM weisen darauf hin, dass ein zirkulärer, zyklischer Erkenntnisprozess gerade bei der Evaluation komplexer therapeutischer Maßnahmen ein angemessenerer Weg der Evaluation darstellt als ein alleiniges hierarchisches Vorgehen.

Eine neue Rubrik im Deutschen Ärzteblatt und anderen offiziellen Organen der deutschen Ärzteschaft sollte den Anfang in der Kommunikation machen, um den hohen wissenschaftlichen Standard der vorhandenen komplementär medizinischen Therapien anhand von spezifischen Kasuistiken zu vermitteln. Das wird Brücken zwischen den beiden Disziplinen bauen.

Methodenvielfalt in der Medizin
Erhalt und Ausbau der Methodenvielfalt in der ärztlichenBehandlung.
Integration von studienbelegten Konzepten im Kontext von Naturheilkunde, Homöopathie, Anthroposophischer Medizin, Akupunktur und anderer integrativ-medizinischer Methodenin individuell abgestimmten Gesamtkonzepten mit dem Ziel einer ganzheitlichen Förderung der Gesunderhaltung und Salutogenese breiter und vulnerabler Bevölkerungsschichten

Systemwechsel von ökonomisierter zu patientenorientierter Medizin
Gleichstellung von sprechender, „apparativer Medizin“ und Pharmakotherapie, die Patienten als Subjekt und Dialogpartner sieht und in der Summe die Compliance verbessert.

Qualität
Erhalt ärztlicher Kompetenz für integrative Verfahren
Langfristige Verankerung in der Weiterbildungsordnung als unverzichtbare Notwendigkeit zur Fortsetzung und Weiterentwicklung bewährter Fortbildungen im integrativ-medizinischen Bereich.
Der konstruktive Weg dorthin ist ein „Ausschuss Integrative Medizin“ und Sicherstellung seiner Präsenz in den Ausschüssen für Ärztliche Fortbildung und Ärztliche Weiterbildung.

Bürokratisierung hinterfragen
Rückfahren der zunehmenden Bürokratisierung und Schematisierungstendenzen im ärztlichen Alltag in Klinik und Praxis sowie stärkere Fokussierung auf ärztliche Kernkompetenzen. Wir regen an, dass Vorgaben von Diagnostik, Therapie und Evidence based Medicine hinterfragt werden dürfen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Konzepte gegen Fremdsteuerung im medizinischen System zu entwickeln. Daher fordern wir die Überprüfung von Schematisierung und überbordender Bürokratie z.B. bei DRGs, DMPsund Therapiealgorithmen.

Finanzielle Gleichstellung
Finanzielle Gleichstellung von Gesprächsmedizin, apparativer Medizin und PharmakotherapieDer reale ärztliche Zeitaufwand in der komplementären Medizin muss sich im Verdienst wiederspiegeln. Eine Prüfung von finanziellen Fehlanreizen im System sollte diesen Prozess begleiten.
Wir sehen die Krankenhausfinanzierungspflicht der Länder und wollen diese durchsetzen.
Die Implementierung besserer Pflegeschlüssel und die Verfügbarkeit von ausreichend und qualifiziertemPersonal sollte umgesetzt werden.

Nachhaltigkeit für die Medizin der Zukunft
Die Hinwendung zu nachhaltigen und ökologischen Verfahren in der Medizin ist uns ein wichtiges Anliegen – wie auf dem Deutschen Ärztetag diskutiert. Hier bietet die Integrative Medizin vorausschauende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Behandlungen an.

Freiberuflichkeit und freie Arztwahl
Unabhängigkeit und Freiberuflichkeit in Ärztekammer und Politik. Wir stehen für die Sicherung der freien Tätigkeit in Praxen, jenseits von MVZ, Krankenhaus und Großkonzernen. Wir unterstützen und fordern für Patienten die Sicherstellung der freien Arztwahl und Unterstützung der unabhängigen Meinungsbildung zu Krankheiten und deren Behandlungsoptionen.

Wir bewerben uns, in die nächste Kammerversammlung gewählt zu werden, um Veränderungen in Entscheidungsprozessen zu bewirken.